Das perfekte social-network
Gibt es das perfekte soziale Netzwerk? Im Rahmen des Webmaster Fridays möchte ich nun gerne in unserem schönen avida-blog zu genau dieser Thematik den ersten Artikel beisteuern.
Geschrieben am 19.07.2011
Bestandsaufnahme.
Schauen wir uns mal den aktuellen Stand der sozialen Netzwerke in Deutschland an. Da ich natürlich nur subjektiv berichten kann, werde ich folgend lediglich die Netzwerke einbeziehen, die ich selbst mehr oder weniger täglich nutze. Daher werden wir hier Xing, Twitter und facebook beleuchten.
Xing.
Business ist business. Xing ist in seiner Ausrichtung definitiv mindestens zu 95% auf geschäftliches Netzwerken ausgelegt, und das ist auch gut so. Xing war und ist - mit einigen Einschränkungen seit dem Relaunch – meine favorisierte Plattform für das geschäftliche Netzwerken. Hier sind Konkurrenzplattformen wie LinkedIn meiner Meinung nach noch nicht weit genug im deutschsprachigen Raum präsent – Alternativen gibt es im deutschsprachigen Raum bezogen auf rein geschäftliche Plattformen nicht wirklich. Die Reichweite von Xing ist meiner Einschätzung nach akzkeptabel bis gut – abhängig von der Branche.
Seit dem Relaunch hat die Usability einen grandiosen Spagat zwischen absurd grauenhaft und stark verbessert hingelegt und verendet irgendwo zwischen diesen beiden Polen. Viele Funktionalitäten sind schlicht fehlerhaft oder glänzen durch Abwesenheit, andere sind verbessert worden und wurden stark an facebook angeglichen – ob das wiederrum im konkreten Fall eine Verbesserung darstellt, sei mal dahingestellt. Generell würde ich den (im Übrigen dank mehrfacher Verschiebungen nicht pünktlichen) Relaunch zum aktuellen Zeitpunkt noch als „nicht geglückt“ betiteln – wenn teils gravierende Nachbesserungen getroffen werden, wird die Plattform benutzerfreundlicher und effektiver als vorher sein. Es bleibt abzuwarten, wie es sich entwickeln wird. Aktuell bleibt Xing die Plattform meiner Wahl, wenn es um das klassische Netzwerken geht – also das Schaffen von Kontakten, die langfristig Mehrwert bieten.
Also: Business. Kontakte. Netzwerken. Deutsch.
Twitter.
… ist eigentlich kein soziales Netzwerk, ist eigentlich „nur“ ein großer Chat und ist auch etwas ander(e)s. Ich bin erst recht spät zu Twitter gestoßen, Ende 2010. Generell ist Twitter eine der unstransparentesten und unintuitivsten Plattformen im Bereich der sozialen Netzwerke, die ich kenne. Das gilt wohl gemerkt nur, wenn man komplett neu auf der Plattform ist – nach einer Einarbeitungszeit funktioniert alles und man kommt klar. Aber als Neuling hat man es meiner Meinung nach recht schwer – Verwirrung trifft Neugier.
Twitter ist eine meiner Meinung nach hochinteressante Plattform, mit großer Reichweite (allerdings auch wieder vom Interessensgebiet und Branche abhängig). Man kann hier mit entsprechend guten Inhalten schnell follower sammeln – und auch wieder verlieren. Twitter ist schnell und schnelllebig. Twitter ist das moderne Gequatsche mit dem Nachbarn über dem Gartenzaun, dem Kollegen auf dem Flur oder dem Geschäftspartner auf der Messe. Das ist Fluch und Segen zugleich – meiner Meinung nach überwiegt der Segen jedoch.
Twitter ist nach meiner Einschätzung jedoch kein klassisches soziales Netzwerk und bietet damit keinen vollständigen Funktionsumfang für die Anforderungen eines sozialen Netzwerkes, sondern fungiert wirklich eher als Chat, Nachrichtenzentrale und passendes Ergänzungmittel, um die klassischen social networks zu unterstüzen. Neuigkeiten im Netzwerk posten und über Twitter verbreiten – das ist effektiv und dafür ist Twitter gut.
Über den Anteil von privaten und geschäftlichen Usern vermag ich auf dieser Plattform keine qualifizierte Aussage zu treffen, da ich diesen Dienst ausschließlich geschäftlich nutze – mit wenigen privaten Einschüben à la „Guten Morgen #6uhrtweet“ ;) . Generell würde ich jedoch sagen, dass dies eher eine Plattform für das tägliche Business im Bereich der beidseitigen Interaktion (Aufnahme und Abgabe von Informationen) ist; und die privaten Interessen eher nur bezüglich der Aufnahme von Informationen (z.B. dem WWF, dem Lieblingsstar oder der geschätzen Frau Merkel folgend) ausgeübt werden.
Also: Schnell. Kurz. Geschäftlich und Privat. Unvollständig.
facebook.
Der Platzhirsch unter den Sozialen Netzwerken und vernichtender Goliath diverser kleinerer Davids. Soll heißen: Neben facebook ist es schwer ein neues Netzwerk zu etablieren – ggf. hat google mit google+ eine Chance, das wird sich zeigen, aber danach wird es an Neukömmlingen, die wenigstens den Ansatz einer Chance haben und nicht auf ganz exotische Nischen ausweichen, auch schon eng. Bei facebook bin ich jetzt bereits etwas länger aktiv und habe noch immer nicht alle Funktionen entdeckt. Ähnlich wie bei Twitter empfand ich die Oberfläche als Neuling auf den ersten Blick zwar recht intuitiv, auf den zweiten, dritten und vielleicht vierten Blick aber immer verwirrender. Profile, Seiten, Unternehmen, Gruppen, Fotoalben, „Mag ich“ etc. sind hier nicht besonders benutzerfreundlich visualisiert - intuitives Design sieht anders aus. Warum facebook dann so erfolgreich ist? Vielleicht war selbst dieses Design noch etwas besser als die Konkurrenz (wobei das sicherlich nachweisbar nicht immer der Fall war) – aber generell wird eine Mischung aus vielen Faktoren gewesen sein, die einen eigenen Artikel füllen könnten. Für uns ist an dieser Stelle eher relevant, wie sich facebook im Alltag so macht, und das kann ich, so glaube ich, ganz gut sehen lassen.
Facebook wird eigentlich eher privat genutzt. Zwar sind viele Firmen auf facebook – auch wenn es nicht mehr wirklich so innovativ wie noch vor ein paar Jahren ist- aber den Großteil werden die privaten Nutzer ausmachen, immerhin bereits mehr als 600 Millionen (In Worten, "sechshundertmillionen"). Das sind mal eben locker die Einwohner Europas – die russische Föderation mitgezählt. Alleine das ist bezüglich der Reichweite, zumindest, wenn man an privaten Kontakten und Endverbrauchern interessiert ist, ein recht gewichtiges Argument. Nutzt man facebook jedoch rein geschäftlich und richtet sich eher an einen Business-Kreis, fällt bei facebook ein sehr hoher Streuverlust und eine Menge Spam an der Pinnwand an – viel Müll um nichts.
Möchte man möglichst viele Leute erreichen, ist man mit facebook gut bedient. Möchte man ein neues Firmenprofil kommunizieren und ggf. noch ein bisschen hip sein, ist man mit facebook gut bedient. Möchte man schnell viele Leute im privaten Bereich kennenlernen, ist man mit facebook gut bedient. Möchte man professionell, geschäftlich Netzwerken ist man mit facebook eher schnell als gut bedient. Feedback einfordern geht aber allemal – und dass auch recht gut.
Also: groß. größer. riesig. international. privat. geschwätzig.
The perfect social network – eine Anleitung zum selber bauen.
Ausrichtung - wer soll bedient werden?
Alle. Das perfekte soziale Netzwerk bietet allen Menschen, egal ob privat oder geschäftlich interessiert, Raum Informationen loszuwerden und aufzunehmen. Und das beliebig detailliert und fein gefiltert, themen- und branchensortiert, privat- und business-getrennt sowie zeitgesteuert. Inhalt werden produziert und beliebig abgerufen.
Funktionen – was kann es?
Kommunizieren. Und zwar auf höchster Ebene. Das wichtigste bei einem sozialen Netzwerk ist aus funktionaler Sicht eigentlich das schnelle, übersichtliche, effektive und effiziente Schaffen, Verwalten und Nutzen von Kontakten. Nutzen im Sinne „ich gebe hier den richtigen Zielgruppen die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt und erhalte das gleiche zurück“. Dazu gehört auch eine besonders effektive Kommunikation – ob hier die „Pinnwand“ schon das Maß aller Dinge ist, sei mal dahingestellt.
Design – wie sieht es aus?
Sexy. Das ist das beste Wort für ein gelungenes Design. Ein gelungenes Design einer Weboberfläche beliebiger Natur ist schlicht. So schlicht, dass es nicht nennenswert in Auge fällt um abzulenken aber sich genug und deutlich genau dadurch abhebt.
Es ist intuitiv und lenkt den Benutzer, sodass sich dem Benutzer von selbst erschließt, wie die Plattform aufgebaut ist und welche Funktion wo zu finden ist. Es hat selbsterklärende Navigationspunkte und Funktionbezeichnungen, die keine Fragen aufkommen lassen.
Und es ist angenehm. Es sollte so angenehm sein, dass der Benutzer sich wohl fühlt. Das wird zum einen durch Formgebung und Farben erreicht, zum anderen durch simple gestalterische Grundregeln. Es sollte harmonisch aufgebaut sein und durchdacht wirken. Ein solide und unerschütterbares Design wirkt zuverlässig. Diese Zuverlässigkeit vermittelt dem Besucher ein positives Gefühl.
Reichweite – wer ist drin?
Jeder. Das perfekte soziale Netzwerk beinhaltet jede Einzelne natürliche und juristische Person aus meiner Zielgruppe. Ganz einfach.
Fazit:
Das perfekte soziale Netzwerk gibt es nicht und wird es wahrscheinlich auch nie geben. Vielleicht haben wir aber das Glück, dass sich neben den genannten entgegen jeder Wahrscheinlicheit doch noch weitere Netzwerke etablieren, die sich darauf besinnen, was im Alltag gebraucht wird und was die Benutzer haben möchten. Wir werden sehen, ob, und wenn ja, was da noch neben google+ so auf uns zukommen wird.
Florian Petri
Projektleiter Internetlösungen
avida websolutions